Keine Gesellschaft ohne Kultur

Alle, ausnahmslos alle Menschen auf der Welt sind in irgendeiner Form in eine Kultur eingebunden – Kultur ist für jede Gesellschaft, und sei sie noch so klein, so notwendig wie die Luft zum Atmen. Sie bildet die Basis für das menschliche Zusammenleben, sie ermöglicht Einsichten, Fortschritte, Vergewisserungen, neue Erkenntnisse, Reibungsflächen, Diskussionen, Streit, Positionen, Zusammenhalt, Bestätigung, Auseinandersetzung…
Kultur ist kein schönes Luxusprodukt, sie ist essentiell nötig – das zeigt ein Blick in die Vergangenheit von Völkern, die Krieg führen mussten und deren anschliessender Hunger nach Kultur schier unstillbar war. Das gilt für alle Formen von Kultur, für die Kleinkunst wie für die grosse Oper, für Laienaufführungen wie für Profiensembles, für die private Ausstellung wie für grosse Museen. Deshalb ist Kultur primär eine staatliche Aufgabe, die Ausgaben gehören ins reguläre Budget. Die Auslagerung in den Lotteriefonds kann keine Dauerlösung sein, denn sie degradiert die Kulturschaffenden zu Almosenempfängern und nimmt ihre Arbeit nicht ernst. Noch dazu wird die finanzielle Wertschöpfung, die die Kulturschaffenden erbringen, schlichtweg negiert; und dass sie sich für ihr Tun immer wieder rechtfertigen müssen und von ihnen ein hohes Mass von unendgeltlichem Engagement verlangt wird – gerne verwechselt mit Enthusiasmus – ist eine Schande für den reichen Kanton. Als langjährige Theaterschaffende weiss ich, wovon ich rede – ich setze mich gerne für jede Form von Kultur ein.