Lockdown – Kein Ausbluten der Kultur auf Zeit!

Brief der Co-Präsidentinnen von Pro Kultur Kanton Zürich

Liebe Mitglieder,
teure Unterstützerinnen und Unterstützer,
geschätzte Kulturinteressierte

Die Kulturbranche zeigte sich in den vergangenen Monaten sehr engagiert und hat die vorgegebenen Schutzkonzepte mit viel Aufwand in vollem Masse umgesetzt. Dennoch verlangt die Bekämpfung der Pandemie nun weitere Opfer. Es ist nachvollziehbar, dass zu deren Eindämmung einschneidende Massnahmen notwendig sind. Auch wir wollen keinen Kollaps des Gesundheitssystems. Den Gesundheitsfachpersonen gilt unser allergrösster Respekt.

Appell an die Kreativität reicht nicht aus.
Der Entscheid des Bundesrates vom Mittwoch, 28. Oktober 2020 bedeutet jedoch für viele Kulturbetriebe den faktischen Lockdown auf unbestimmte Zeit. Diese Massnahmen werden viele Kulturschaffende, Kulturvermittelnde und Kulturunternehmen existenziell gefährden. Unzählige Kulturakteurinnen und Kulturakteure haben ihr Erspartes im ersten Lockdown und während der nachfolgenden Flaute aufgebraucht. Die Veranstaltenden sind auf Einkünfte angewiesen. Ohne diese müssen sie ihre Betriebe dauerhaft einstellen. Der Appell an die Eigenverantwortung der Kultur und an kreative Lösungen reicht nicht aus. 

Schnelles und unbürokratisches Handeln verlangt.
Jetzt braucht es den politischen Willen, die Kulturbranche am Leben zu erhalten. Die Folgen des ersten Lockdowns sind knapp überstanden. Nun drohen mit der zweiten Welle das definitive Aus für zahlreiche Betriebe und das Abdrängen von Kulturschaffenden in die Armut. Einschränkungen der wirtschaftlichen Tätigkeit müssen mit schneller und unbürokratischer finanzieller Unterstützung abgefedert werden. Die ausstehenden Unterstützungsleistungen an Kulturschaffende, Kulturvermittelnde und Kulturinstitutionen müssen nun zügig ausbezahlt werden – noch immer ist der Kanton Zürich hier viel zu zögerlich unterwegs. 

Finanzielle Lücken schliessen!
Entscheidend wird in den nächsten Monaten sein, dass die im Rahmen des Covid-19-Gesetzes in Aussicht gestellten Unterstützungsleitungen voll ausgeschöpft werden und dass der Erwerbsersatz sinnvoll umgesetzt wird. Dabei ist es für die Kulturbranche unabdingbar, dass nicht nur Einbussen durch Veranstaltungsverbote entschädigt werden, sondern auch die Einbussen in Folge von fehlenden Buchungen. Für Angestellte wird die Kurzarbeit zentral sein. Lücken, die mit der Verschiebung der Ausfallentschädigungen auf die Kulturunternehmen geöffnet wurden, müssen geschlossen werden. Der Kanton Zürich ist aufgerufen, weitere notwendige Gelder zu sprechen und Härtefalllösungen zu entwickeln, damit keine Arbeitsplätze im Kulturbereich vernichtet werden, damit keine Betriebe Konkurs anmelden und damit keine Kulturschaffende auf den Sozialämtern der Gemeinden vorsprechen müssen. 

Die Zeit drängt.
Darüber hinaus müssen Anstrengungen unternommen werden, dass auch in den nächsten Monaten Kultur weiter produziert und zugänglich gemacht werden kann, auch für vulnerable Personen. Für den Bildungsbereich, der nach wie vor von den Bundesmassnahmen ausgeschlossen ist, müssen Lösungen gefunden werden. Die Zeit drängt. Ein Abwarten bis Anfang 2021, wie es der Bundesrat in seiner Pressekonferenz angetönt hat, ist schlichtweg inakzeptabel.

Kein Ausbluten der Kultur auf Zeit!
Unwesentlich ob Beschränkungen der Besucherzahl oder kompletter Lockdown: Es darf kein Ausbluten der Kultur auf Zeit stattfinden! Kultur ist sinnstiftend und existenziell. Ihre Strahlkraft macht den Kanton Zürich zu den attraktivsten Lebens- und Arbeitsräumen der Schweiz. Ein Wiederaufbau des austarierten und erfolgreichen Kulturgefüges wäre massiv teurer als temporäre Überbrückungsleistungen. Es gilt, nun gemeinsam mit allen beteiligten Akteurinnen und Akteuren und politischen Instanzen Lösungen zu finden. 

Jetzt zusammenstehen.
Ob gross oder klein, ob institutionell oder freischaffend – jetzt heisst es zusammenstehen. Setzen wir uns im Dialog dafür ein, dass die Kultur im Kanton Zürich eine Zukunft hat und wir diese anspruchsvolle Zeit gemeinsam überstehen!

Bis bald!

Eva-Maria Würth und Barbara Weber, Co-Präsidentinnen Pro Kultur Kanton Zürich

Publiziert am 30.10.2020

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